Staatsschule am Ende ?

November 8, 2018

Eine anthropologisch-pädagogische Betrachtung

 

 

I
 

Eine Nachricht des Deutschlandfunks


Heute (am 24.Okt. 2018) vernahm ich im Deutschlandfunk die Nachricht des Verbandes deutscher Krankenkassen, dass 1,1 Millionen, d.h. rund ein Achtel aller Grundschüler in Deutschland in Behandlung stehen. Chronisch auftretendes Kopfweh, Bauchweh, allergische Reaktionen auf alles Mögliche, psychosomatisch verursacht durch seelisches Unwohlsein, Stress und tiefer liegende Ängste. Dies in einer Altersgruppe von rund 6 bis 13-Jährigen, die allgemein als die am wenigsten krankheitsanfällige, als die gesündeste aller menschlichen Lebensstufen gilt. Bereits in der Schweizer SonntagsZeitung vom 19. August war auf der Titelseite zu lesen: „Jeder dritte Schüler leidet an Burnout-Symptomen. Bereits Zehnjährige klagen über Leistungsdruck und Prüfungsstress." - Die Zahlen von Burnouterscheinungen bei Lehrpersonen und den damit verbundenen Arbeitsausfällen wurden nicht genannt. In der Schweiz werden sie wegen der Schulautonomie der Kantone nicht zusammengeführt und sind nur Insidern bekannt. Sie kommen den Steuerzahler teuer zu stehen, denn im Schulsystem gibt es kein Aufschieben und Aufarbeiten, ein Unterrichtsbetrieb, auch nur in der Form der Klassenbetreuung, muss zwingend aufrecht erhalten werden.
       Als Mitglied des Gründungskollegiums der Rudolf Steiner Schule meiner Geburtsstadt Solothurn sowie als Staatsschullehrer mit zwei Jahrzehnten Erfahrung  im Unterrichten von Deutsch, Mathematik, Geographie/Naturlehre, Musik, Zeichnen, Geschichte und Turnen in Basel kann der Leser davon ausgehen, dass ich über den Zustand des gegenwärtigen  Schulwesens nicht zu spekulieren brauche. Wer sich gesunden Menschenverstand erhalten oder erworben hat, wird mir zustimmen, dass für eine optimale Entwicklung der Kinder - und damit zur Verbesserung des mentalen Klimas in der zukünftigen Gesellschaft - sehr viel erreicht wäre, wenn die kulturellen und ökonomischen Voraussetzungen vorlägen, die es den Eltern, die dies wünschen, ermöglichten, sich auch für einen von politisch-staatlicher Bevormundung freien Schulbesuch oder eben für keinen in der bisher  institutionalisierten Form durchgeführten Unterricht entscheiden zu können. Leider liegt der allgemeine Trend global auch auf diesem Gebiet in der Schwächung der Elternrechte und die Stärkung der Staatsgewalt. Beispiele werden folgen. Wer die normierenden Einflüsse aus dem Staatsschulsystem im Zusammenhang mit seiner die gesunde Entwicklung störende Wirkung zu beurteilen in der Lage ist,  wird in den tiefen Job- und Nebenjobeinkünften gerade der Frauen als eine Begleitbedingung für die zunehmende Verkopfung und Verwahrlosung vieler Heranwachsenden erkennen. Sie wird vornehmlich durch die autoritär verteidigten, materialistisch fehlgeleiteten Erkenntnisdefizite in den pädagogisch-universitären Lehrerausbildungen bekräftigt und vorangetrieben. Das Verhalten der Lehrpersonen gegenüber dem Schulkind ist meist die Konsequenz ihrer Adaption an das unbefragt und ungeprüft während des Studiums übernommene Bild des Schulkindes, des mit ihm verbundenen Erziehungsauftrags und des sich darauf gerichteten Verständnisses seines beruflichen Lehrauftrags. Die durch entsprechende Prüfungen in Form von Vorstellungsdressuren "träumend" erfolgte Anpassung an die Direktiven des staatlichen Arbeitgebers hört mit der Übernahme eines Lehramts nicht auf, sondern wird über den langen Arm der bis zur Verrentung reichenden, obligatorischen Weiterbildung gesichert (dies gilt im wesentlichen für wohlhabende Länder wie die Schweiz, die bisher noch keine einschneidenden Kürzungen am Budget ihres Staats-bildungsauftrags vorgenommen haben). Die Weiterbildungsmassnahmen implantieren und festigen die in den pädagogischen Hochschulen jeweils neu konsolidierten Trends über den Transmissionsriemen der Rektorate hinein in das Amtspflicht-verständnis der einzelnen Lehrpersonen. Der Berufsstand staatsbeamteter LehrerInnen ist heute ein verlässlich angepasster Träger einer für das Erkennen der exstentiellen Bedürfnisse von  Kindern und Jugendlichen verkrusteten Unempfänglichkeit.  



Elterngespräche


Um ein erstes Beispiel zu erwähnen: nach der Jahrtausendwende wurden alle Lehrpersonen im Kanton Baselstadt mit bis ins kleinste Detail vorgeplanten Rollenspielen darauf vorbereitet, die "professionelle Souveränität" - auch unter dem Aspekt möglicher Einsprachen gegen Schulentscheidungen (wie die Zuteilungen in verschiedene Niveaus in den Fächern Deutsch und Mathematik, Empfehlungen für weiterführende Schulen u.a.) - in für Eltern obligatorischen Gesprächen nicht anzweifeln zu lassen. Ich erinnere mich an eine Reihe unterhaltsamer Theatersequenzen, in denen meine Kollegen mit mir Elterngespräche einübten, wobei ich meist einen Elternpart übernahm.
    Eine der dazu vorbereitenden Weiterbildungsmodule war wie so oft der "Feedback-Kultur" gewidmet. Das Generalmotto prangte übergross auf der ersten Folie der PowerPoint-Präsentation: "Bedeutend ist nicht, wie ich meine zu sein, sondern wie ich auf meine Umgebung wirke." - Die Vorstellungshürden, die eine Mentorin/Supervisons-Beauftragte zu überwinden hätte, um die Aussage des bedeutenden Philosophen Paul Asmus in Erfahrung bringen zu können, schienen unüberwindlich: "Das Ich hat seine Identität in sich, doch sein Sein im andern." 
Anm.) zitiert aus "Das Ich und das Ding an sich", Halle 1873 in der verdienstvollen Faksimile-Ausgabe im Berliner FIU-Verlag 2004 (Einleitung: Thomas Brunner)
       Die entsprechende Planung der Elterngespräche, an denen die SchülerInnen meist teilnahmen, begann bereits mit der Vorbestimmung der Sitzordung. Sie berücksichtigte verschiedene Konstellationen sprachlicher, religiös-politischer und verwandtschaftlicher Hintergründe sowie den möglichen Erregungszustand der Eltern. Bei Muslimen war die Anwesenheit der Mutter seltener als etwa die eines Bruders, Cousins oder Onkels, der sich dann oft als Übersetzer zur Verfügung stellte. Jederzeit war mit der Äusserung von Unmut oder den Rückzug in kommunikationsunwillige Distanz zu rechnen, wenn die Hoffnungen in eine Berufskarriere etwa als Chirurg, Advokat oder Bankangestelle danhinschwanden. Dass ein Erfolg an der Staatsschule auch einen finanziellen Erfolg und damit die Lebensqualität der nachfolgenden Generation weitgehend würde sichern können, gehörte zur unverrückbaren Grundüberzeugung der meisten. Ich arbeitete die letzten fünf Jahre vor meiner Pensionierung in einem Schulhaus, in dessen Klassen kaum noch schweizerische Schüler-Innen vorkamen. Der Ausländeranteil im Quartier lag bei weit über 50%, wobei viele im Quartier wohnhafte Schweizer (auch die Lehrer) ihre Kinder in andere Schulen, etwa in eine Rudolf-Steiner-Schule sandten. Unser Schulquartier erfüllte aufgrund soziologischer "Forschung" der Zürcher Universität (zusammen mit dem Kreis 4 in Zürich) alle wesentlichen Bedingungen, um nach schweizerischem Massstab als "Ghetto" zu gelten. In den Elterngesprächen wurde überdies grossen Wert auf prospektive Darstellungen der Faktoren gelegt, welche in die Benotungen und damit in die Empfehlungen für eine Nachfolgeschule einfliessen würden. Auch auf die rechtsverbindlichen Hinweise auf die  Rekursmöglichkeiten der Eltern erfolgte widerholt und pflichtgemäss. Letztere ermöglichen es den Eltern, sogar die Aufnahme in die unterste Klasse des Gymnasiums entgegen der Empfehlung der LehrerInnen durchzusetzen, ohne damit die in den allermeisten Fällen erfolgende Rückversetzung ihrer Kinder nach Beendung des ersten provisorischen Semesters im Gymnasium verhindern zu können.

 

 

 

Die SchülerInnen-Befragung

 

 

Eine weitere Empfehlung, die von der pädagogisch-universitären Trockenwiese auf ihre Labortische, das heisst die Klassenzimmer hinunterflatterte, war die für jede SchülerIn obligatorische Befragung zur Unterrichtsqualität seiner LehrerInnen. Sie bedeutete eine weitere atmosphärische Störung des Unterrichtsklimas. Der "Feind von vorn" (dies eine flapsige Formulierung hinter vogehaltener Hand) füllte ab 10tem Altersjahr einmal jährlich das entsprechende Formular für jede Lehrperson aus. Die kindermeinungwertschätzende "SchülerInnen-Befragung zur Unterrichtsqualität" landete zum Schluss als weiteres statistisches und steuerungstechnisches Material in den Archiven der Schulrektorate. Dies zusätzlich zu den regelmässigen Einladungen der Eltern zu Schulbesuchen, denen aus verständlichen Gründen kaum jemand Folge leistete, der fest im Jahresplan eingeplanten Querbesuche von LehrerInnen bei ihren KollegInnen (ich verwende aus stilistischen Gründen die damals antrainierte und im Schulwesen implantierte gendergerechte Schreibform) und des ebenso regelmässigen Unterrichtsbesuchs der zuständigen Rektoratspersonen bei jedem ihrer Untergebenen.
       Der Fragekatalog bestand für die SchülerInnen aus 36 Fragen, die in Themen wie "Gutes Klima", "Klarheit", "Beziehung", "Unterricht" u.a. eingeteilt waren. Eingangs lasen die Befragten, die davon ausgingen, dass alles, was sie schrieben, von ihren Lehrpersonen beurteilt wurden: "Es geht um deine persönliche Meinung und es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Wähle darum immer die Antwort aus, die deiner Meinung nach am Besten für dich passt und kreuze das entsprechende Kästchen an. Du darfst für jede Aussage nur ein Kästchen ankreuzen. Wenn du deine Antwort ändern möchtest, male das Kästchen bei der zuerst angekreuzten Antwort mit blau aus und kreuze dann das Kästchen bei deiner neuen Antwort an. Wenn du bei einer Frage nicht verstehst, was gemeint ist, dann melde dich bei deinem Lehrer oder deiner Lehrerin."
    Der befragte Schützling entzifferte daraufhin 36 grossartige Fähigkeiten des Ideallehrers wie etwa: "findet es wichtig, dass wir auch aus Fehlern lernen", "bespricht Fehler so, dass ich nachher weiss, was ich falsch gemacht habe", "lässt mir nach einer Frage genügend Zeit, um eine Antwort zu finden", "sagt auch einmal etwas Lustiges", "kann auch schwierige Sachen gut erklären", "mag mich gerne", "ist immer für mich da, wenn ich etwas fragen will", "das Unterrichtstempo ist für mich genau richtig, nicht zu langsam und nicht zu schnell", "Mädchen und Knaben erhalten manchmal unterschiedliche Aufgaben", "sagt uns zu Beginn der Stunde die Lektionsziele" usw. usf. - Danach findet er vier Kästchen von "stimmt gar nicht" bis zu "stimmt genau" zum Anmalen.
      Keine andere Aufforderung, die ich jährlich an meine Klassen zu richten hatte, wurde von den Kindern jeweils mit ähnlich grossem Missmut entgegen genommen (näiiii, nit scho widder"!!) - Als dann meine SchülerInnen dazu übergingen, jeweils alle Kästchen, ohne sich die Fragen nochmals vorzunehmen, bei "stimmt genau" anzukreuzen, führte dies zur rügenden Nachfrage der Schulleitung. Offenbar gab es neben richtigen doch auch falsche Antworten. Zudem galt jedes Verständnis für die Ablehnung der Befragung als mangelnde Professionalität. Die Fragebogenhersteller liessen sich ihre Autosuggestion von einem abstrakten Schülerwesen nicht nehmen, das wie ein unbeteiligter Pädagogikprofessor nach einer Pobelektion seine objektiven Feststellungen, ohne störende Beimischung von Sympathie und Antipathie, in seine Gehirnkästchen malt.
       Als ich einige namenlos aufbewahrte Formulare wieder hervorholte, sprangen mir gleich auf dem ersten Befragungsblatt zwei "Unregelmässigkeiten" ins Auge.  Bei der Frage: "sagt uns zu Beginn der Stunde die Lektionsziele" war zuerst "stimmt gar nicht" angekreuzt, dann blau übermalt und die Korrektur bei "stimmt genau" vorgenommen worden. Da war das arme Kind offenbar in einen Konflikt zwischen Wahrheit und Sympathie für seinen Lehrer geraten. Seine erste Antwort war zweifellos die richtige. Es konnte nicht wissen, wie oft ich dem  beruflichen Umfeld klar zu machen suchte, dass Unterrichten weit weniger im Abhaken von Lektionszielen als im Aufmerken für und Anregen von Schülerfragen besteht.
    Die zweite Auffälligkeit war, dass das Kind die Frage "Mädchen und Knaben erhalten manchmal unterschiedliche Aufgaben" nicht wie alle anderen Feststellungen mit maximaler Zustimmung, sondern nur mit "stimmt ziemlich" beantwortet hatte. Es war wohl selbst von der Unergründlichkeit der zu beurteilenden Aussage verunsichert. Mit dem Aufkommen der "Genderstudies" nach der Jahrtausendwende - nach dem Abflauen der Gehirnforschung, die vom amerikanischen Präsidenten Bush senior in den 90-er Jahren mit enormen Forschungsgeldern auch für Europa losgetreten worden war - legte auch unser baselstädtisches Schulhaus Wert darauf, die Vorstellungsresiduen traditioneller Geschlechterrollen aufzuspüren. Alle Bücher der Schulbibliothek wurden auf offene oder versteckte Gewalt patriarchaler Strukturen hin untersucht. So landeten einige altbewährte Kinderbücher wenn auch nicht im Feuer, so doch im Müll.  
       Ich bekenne freimütig, dass ich in Mathematik nie mädchen- und knabenspezifische Aufgaben gestellt habe, und auch, dass ich ein solches Vorgehen als mental grenzwertig erachtet hätte. Im Sport und Turnen habe ich durchaus differenziert. Auch wenn mir bekannt war, dass an der Spitze des Genderismus sogar die Leugnung des Unterschieds physischer  Stärke bei Mann und Frau verbreitet war. Gib dem Mädchen am Sandkasten keine Puppen, sondern eine Schaufel in die Hand, und es wird später gleiche Kräfte zeigen wie die Jungs. Denn alles beruht auf sozialer Konditionierung (etwa so erfolgte der schwache Argumentationsversuch).​​

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Sexualerziehung


Dies leitet zu einem besonders poblematischen "Schulfach" über, auf dessen Gebiet die Wirkung des in die Pädagogik eingezogenen materialistischen Anmalismus unverhüllt zu Tage trat und ungesunde seelische Verzerrungen festigt. Ich meine das "Fach" Sexualunterricht, das es nach der Jahrtausendwende in die Erziehungspläne sogar der ländlichsten Bauernkantone wie Appenzell-Innerrhoden oder Uri geschafft hat. Das Engagement der anleitenden Befürworter war durch eine bewusstseinstrübende Mischung von "Aufklärung" des Kindes und seines gleichzeitigen "Schutzes" vor sexuellen Übergriffen gekennzeichnet.
    Einige Jahre ging der Kelch, "Sexualunterricht" unter den baselstädtischen Prämissen erteilen zu müssen, an mir vorüber, obwohl ich als "Naturkundelehrer" ab 2006 hierzu hätte verpflichtet werden können. Der Schulleitung waren meine kritischen Kommentare zu einigen Bildaussagen der offiziellen Schulbiologie  bekannt, die ich auch den SchülerInnen gegenüber begründete, was womöglich einen Grund zur Schonfrist dargestellt haben mochte. Ich erinnere mich etwa an Foto1 des Kapitels "Embryonalentwicklung" mit der Bildlegende "Auch Du warst eimal ein solches Ei". - Na Prost !
    Die Jahre zuvor war ich als Lehrer mehrerer Fächer bereits in die Lage gekommen, ganz inoffziell eine Art "Sexualkundeunterricht" zu erteilen. Ich war mit dem Kenntnis- und Empfindungsstand meiner SchülerInnen soweit vertraut, um das vorgeschriebene Curiculum der Sexualerziehung als geradezu verstörend wirklichkeitsfremd zu empfinden. So wiesen mich einerseits 5. und 6. Klässler auf jugendschutzfreie Websites hin, die zu ihrem digitalen Konsumgut gehörten. Mir waren sie zuvor unbekannt und mir wurde förmlich schlecht davon. - Auf der anderen Seite zeigten die Kinder massive Ängste und Verklemmungen, die sie wie einen undurchlässlichen Vorstellungspanzer mit sich herumtrugen. Nur den wenigsten war es etwa möglich, etwa bei Kreistänzen im Musikunterricht auch nur Handberührungen zuzulassen, geschweige denn einen Handdruck als Ausdruck einer empfindenden Wahrnehmung aktiv durchzuführen. Die Knaben steiften ihre Pullover über ihre Hände, damit sie an den Handgelenken von den etwas weniger schüchternen Mädchen mit spitzen Fingern ergriffen werden konnten. Dass ich den Gedanken eines Alllebens aufbrachte,  welches Pflanzen, Tiere und jeden einzelnen Menschenkörper als dasselbe durchfliesst und alle Empfindungen des Leibes ermöglicht, dass somit im Empfinden der lebendigen Hand eines anderen etwas tief Verwandtes und Verbindendes vorliegen würde, machte für sie einen länger dauernden Handgriffs womöglich noch gespenstiger.   
       Einer meiner Filme, die im Rahmen des diesbezüglichen Freiwahlfachs mit Jugendlichen entstanden sind, endet damit, dass die männliche Hauptperson, der seinem besten Freund eine Gamekonsole gestohlen hatte, allein durch eine einzige ihm verbliebene Klassenfreundin unterstützt wird, die bereits vor dem Diebstahl mit ihm sympathisierte und danach Mitleid mit dem Ausgestossenen empfindet.
   Anm.)  Der in Rede stehende Film "P.S.P. - Play Station Portable" findet sich unter https://vimeo.com/channels/hieronymusvideolounge/52343595.

Es war nicht zu übersehen, dass der jugendliche, ca. 14 Jahre alte türkische Junge gegenüber dem Mädchen aus Ex-Yugosla-wien nicht gleichgültig empfand. Also habe ich für die Schlussszene (die SchülerInnen, die für das Script verantwortlich waren, hatten kichernd eine "geile Sexszene" gefordert) vorgeschlagen, dass sich das Mädchen vertrauensvoll neben den Jungen setzt, was ihn dazu veranlasst, seinen Kopf auf ihre Schulter zu legen. - Kann man sich vorstellen, dass diese eine Einstellung von wenigen Sekunden zu den anspruchvollsten gehörte, die ich als Schulfilmanimator eingefangen habe ?!
    Zunächst mussten alle Umstehenden nach Hause entlassen werden. Ich versuchte darauf in mehreren annähernden Wiederholungen dem Jungen sein panisch ängstliches Unbehagen zu nehmen, worin sich überdies irre, dem digitalen Sexmüll anzulastende Vorstellungen mengten. All dies erschwerte das Bemühen des Jungen, diese kurze Berührung der dankbaren Zuneigung zum Ausdruck bringen zu können. das heisst diese zuzulassen, ohne reflexartig zurück zu zucken. Wenn er nicht selbst das Vorhaben hätte umsetzen wollen (weil ihn seine Unfähigkeit hierzu geradezu ärgerte), hätte ich einen anderen Filmschluss wählen müssen. Den mageren Erfolg, der für die beiden Darsteller jedoch einen grossen Schritt bedeutete, kann man kurz vor Filmende, ab ca min. 25:00, einsehen. - In derselben Zeit übten die Beiden in dem (nicht von mir erteilten) "Sexualunterricht" das Überstreifen von Kondomen über Holzpenissen.
       Über ein waches Empfinden hinsichtlich des Einzugs allgemeiner Fortpflanzungsinstinkte in das dadurch tumultuarisch werdende Gefühlsleben der Jugend-lichen verfügten diejenigen, die mir die Leitideen der "Sexualerziehung" beizubringen suchten, offensichtlich nicht. Auf keinem anderen Gebiet des Schulsystems empfand ich die dabei entwickelten Redewendungen als erfahrungsferner und idiotischer, dessen Hauptutensil im berühmt-berüchtigt gewordenen "Sexkoffer" vorlag.
(Er bildete bei den in grosser Zahl erfolgenden Elterneinsprachen das Hauptthema.)

       Er enthielt Nachbildungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsteile, Aufklärungsbroschüren über unterschiedliche Formen des Sexualverhaltens, allerlei Verhütungsmittel für sie und ihn, Holzpenisse in verschiedener Grösse und andere Sehenswürdigkeiten. Wie gesagt, war der Angriff auf die kindliche Scham mit "Kinderschutz" überschrieben. Einige Jahre später - da war ich schon pensioniert - wurde auch das Vorschul- und Kindergartenalter in den "Sexualunterricht" einbezogen. Denn "erst, wenn Kinder wissen, was Sexualität ist, können sie auch nein dazu sagen" (so Tore Langfeldt, Kinderpsychologe in Oslo. Norwegen gehörte für die moderne "Sexualaufklärung" zu den fortschrittlichsten Ländern, in denen zu Doktorspielen und Onaniermanipulationen bereits im Kindergarten ermuntert wurde.) Anm.) http://www.taz.de/!5193318/
    An der Spitze des Sexualerziehungsprogramms, das mit erstaunlicher Geschwindigkeit in ganz Europa eingeführt wurde, standen Personen, denen als Folge ihrer Verstrickung in die ideologischen Vorstellungen der "Gender-Forschung" 
das Gebiet konsistenter Denkerfahrung verschlossen geblieben war. Anm.) Ich setze das Wort in Anführungszeichen, weil in der massgeblichen Literatur inzwischen festgestellt wird, dass unklar sei, worauf Genderidentität, die man verteidige, beruhe. - In dem von mir als Vorbereitung zum Sexualkundeunterricht zu verinnerlichenden "Leitfaden Lernziel sexuelle Gesundheit" (Erziehungsdepartement Basel-Stadt, Dez.2007) findet sich unter "Begriffsklärung" die alles Nachfolgende grundierende Aussage, dass "Sexualerziehung junge Menschen mit grundlegendem Wissen und den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werten ausstattet, die sie benötigen, um ihre Sexualität sowohl physisch, psychisch wie auch emotional zu erfahren." - Wenn das ein Ausdruck vollzogenen Denkens wäre, müsste die Konsequenz lauten, dass es jungen Menschen versagt bleibt, Sexualität physisch, psychisch und emotional zu erfahren, wenn sie hierzu nicht zuvor durch die Sexualerziehung des Kantons Basel-Stadt mit grundlegendem Wissen und den notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet worden wären. Und natürlich den Werten. Ich vermied die Frage, wie denn deren Bildung als individueller Besitz zu befördern sei, denn die wie das Amen in der Kirche sich anschliessenden Wortkaskaden über "wertschätzend", "achtsam", "tolerant" und "liebevoll"  usw. usf. würde sie nicht beantworten.
       Das Bemühen der "Genderspezialisten", ihrem Konzept eine naturwissenschaftlich-medizinische Basis zu verpassen, führte dazu, dass ich mich weiteren unverdaulichen Satzschimäre aus dem "Leitfaden Lernziel sexuelle Gesundheit" gegenüber gestellt sah, z.B: "Sexuelle Gesundheit benennt Sexualität als wichtigen Teil der Gesundheit und als einen Zustand physischen, emotionalen, geistigen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität." - Daraus geht hervor, dass Sexualität für die sexuelle Gesundheit irgendwie wichtig ist, dass womöglich ohne sie womöglich eine sexuelle Erkrankung auftreten könnte, und dass sie dem Wohlbefinden auf allen Ebenen menschlicher Befindlichkeiten förderlich sei, insofern beliebige Worte für deren Bezeichnungen zur Verfügung stehen. Die damt verbundene Praxis einer sexualisierten Gesundheitsidee hat sich womöglich bereits in der höchst ungesunden Unfähigkeit niedergeschlagen, eine Wortreihe als Ausdruck eines Gedankens verwenden zu können.
    Ich verschone den Leser mit weiteren Einzelheiten, wie etwa "Funktion und Ziel" des Sexualunterrichts oder den "Gelingungsbedingungen für schulische Sexualerziehung". Doch weise ich darauf hin, dass zu Beginn der "Implementierung" (das heisst die auf leisen Sohlen erfolgende Durchsetzung der dahinterstehenden Initiative überall das hohe Lied von der Zusammenarbeit und Absprache mit den Eltern gesungen wurde. ("Die Schule unterstützt und ergänzt die Eltern in der Sexualerziehung" usw.) - Das wurde später erheblich abgeschwächt und umgebogen, ganz im globalen Trend, Vater Staat an die Erziehungsstelle der Eltern zu setzen. Später wurden die Eltern nur noch spärlich oder gar nicht mehr durch die staatliche "Sexualerziehungsergänzung" informiert, wobei die Schule  keinerlei Interesse an den Vorstellungen der Eltern über sexuellen Aufklärung entwickelte. - In derselben Zeit wurden in Basel-Stadt flächendeckend Ganztagesschulen eingerichtet, die es den in meiner Schule wenig verdienenden Eltern ermöglichte, am Tage mehreren Jobs nachzugehen, das heisst, weder mittags noch nachmittags für ihre Kinder Zeit zu haben.  
    Im Januar dieses Jahres hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg die Klage einer Basler Familie zurückgewiesen.
Anm.) Dazu kontrovers: https://www.zukunft-ch.ch/basler-eltern-klagen-sexualkundeunterricht-ist-verfassungswidrig/

Sie hatte für ihre Tochter die Dispensation vom Sexualerziehungs-unterricht bis zur zweiten Klasse  verlangt. Auf ein formales Urteil wurde verzichtet. Den Sexualerziehern reichte die Begründung des obersten Gerichts, dass das von der Schulleitung ausgesprochene Verbot der Dispensation vom Sexualunterricht nicht der "Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-heiten" (EMRK) widerspreche. - Dazu war zu lesen: "Das Elternkomitee will gegebenenfalls bis vors Bundesgericht weiterziehen, indes der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann von der Liberalen Partei der Schweiz gegenüber Radio DRS verlauten liess, dass er für das mangelnde Vertrauen von Eltern gegenüber seriösen Lehrkräften kein Verständnis hätte. Die Einführung der sogenannten „Sexbox“ als Unterrichtsmaterial an Basels Kindergärten und Primarschulen hatte im letzten Sommer für grosse Empörung gesorgt und dem Basler Erziehungsdepartement 3‘000 Protestschreiben beschert."  

Einblick in den Sexkoffer für Kindergärten und Grundschulen der Staatsschule von Basel-Stadt ("kindgerechte" Organnachbildungen aus Filz und Märchenwolle und unterschiedliche Holzstäbe)

 

 

 


II


Im Hintergrund: die aus dem Hut gezauberten "Genderstudies"

Meines Wissens wird in Deutschland die Kampagne zur Frühsexualisierung des menschlichen Vorstellungslebens punktuell weiter voran getrieben, wobei die schweizgemäss angestrebte Einheitlichkeit des Vorgehens und der damit verbundene Perfektonierungsinstinkt nicht in derselben Weise vorhanden ist. Vermutlich gibt es im "grossen Kanton" (wie Deutschland von Schweizern auch genannt wird) weit grössere Unterschiede in der Frage der ideologischen Durchsetzung der "Genderstudies". So wurden die Bedenken in Baden-Württemberg gegen die Vermittlung der Genderidentitätenvielfalt von LSBTI (wem die Abkürzung unbekannt ist: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle) auf Grundschulniveau durch die Erziehungsdirektion selbst vorgebracht, wohingegen sie etwa in Hessen mit gosser Verve den SchülerInnen vermittelt werden. - Bezeichnend und lehrreich sind die Widerstände und Einsprachen, wenn sie von den angestammten, universi