Thomas Meyer: "Wie Zwerge ..."

November 14, 2019

Soeben beende ich die Lektüre von "Wie Zwerge auf dem Rücken von Riesen" von Thomas Meyer und bin ehrlich erleichtert, wenn dieses Buch das Haus wieder verlässt. - Durchgehend erlebte ich in seiner Darstellung der "Michaelschule und ihre vier bisherigen Phasen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und nahe Zukunft" (so der Untertitel) ein und dieselbe Frage, welche am Ende nun beantwortet ist. Was will der Autor mit diesem Buch bezwecken, welche Absicht steht dahinter?
    Meyer verwendet viele Redewendungen, die suggestiv wirken und einem vermitteln: komm Kind, hier, ich zeige dir den Weg, auch wenn ich ihn selbst noch nicht gegangen bin.
    Auch wenn die Zitate Rudolf Steiners seine Ausführungen belegen sollen, so werden sie lediglich in seinem Sinne ausgenutzt. Sie sollen die Denkweise des Autors stützen, die von vornherein festgelegt, aber keine forschende Grundhaltung zum Ausdruck bringt.
    Eine Meinung/ Ansicht bereits als wahr und daher alternativlos zu deklarieren, enthält keinen wirklichen Anspruch an den Leser. Nun, Meyer betont mehrfach, dass es keine Forschungsschrift sei. Doch was ist sie dann? Ein zusammengebasteltes Ansichtsding über eine Ordensgründung hoher Individualitäten, die ausgedacht, dann vorgestellt und völlig illusionär erscheint. Damit wird Weltrettung angedeutet  und der Strohhalm einer erfahrungslosen Fatamorgana als zukunftsträchtige Realität verkauft.
     Rudolf Steiner und viele andere für diese Schrift als Schutzmantel zu verwenden, ist unzumutbar und grenzt selbst an eine Vermessenheit des Autors. Da nutzt es wenig, wenn da beschrieben wird, wie die ahrimanischen Gegenkräfte wirkten und zu wirken pflegen und noch weniger, auf die Selbstzerstörung der anthroposophischen Gesellschaft und des Goetheanums hinzuweisen, wo doch als einziger Ausweg nur ein Orden dargestellt wird, dessen Existenz und Wirklichkeitswert durchgehend, doch  ungeprüft, durch den Autor proklamiert wird.
     So sehr es vonnöten ist, eine wirkliche Geistgemeinschaft in die Welt zu stellen, so begrenzt erscheint die Vorstellung, dies im Rahmen eines Ordens zu tun, der in einem Buch bereits als existierend benannt, dennoch kindlich-naiv herbeigesehnt wird, um innerhalb des Buches wiederum auf die geheimnisvoll verborgene Entstehung desselben zu verweisen.
    Seit Rudolf Steiner liegt alles offen dar und soll weiterhin für jeden Menschen zugänglich sein. Es würde einen Widerspruch bedeuten, alles wiederum im Verborgenen erwachsen zu sehen, wo doch Rudolf Steiner selbst nicht im Verborgenen gewirkt hat, auch wenn der Zugang zu der von ihm begründeten freien Hochschule für Geisteswissenschaft eine gewisse Selektion enthielt, doch dies nur in der Ausgestaltung des Grundgedankens, dass nicht jeder Mensch, der doch gewiss Schuhe braucht, ein Schuhmacher sein kann.                         

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